Auslese #2

Kennt ihr dieses Phänomen, ein Sachbuch nur bis kurz vor Schluss zu lesen? Ob’s daran liegt, dass man zu selten mit einem vernünftigen Fazit beschenkt wird? Bei mir stapelten sich einige ganz gescheite Ausführungen, die ich irgendwann kurz vor Schluss weglegte, weil die letzten Kapitel auf einmal moralisch an Fahrt aufnahmen, “nur noch mal schnell” das gerade Geschilderte zusammenfassten oder irgendwelche unnötigen Ausblicke lieferten. Ich möchte ein kurzes, knackiges Fazit! Oh, und bitte auch entschlackte Vorworte und Einleitungen. Wie heißt’s so schön: Zur Sache, Schätzchen!

Richard Wilkinson und Kate Pickett – Gleichheit ist Glück

Der Untertitel dieses vermeintlichen Weltverbesserers lautet “Warum gerechte Gesellschaften für alle besser sind”. Das klingt zunächst nach viel Ideologie und/oder Gutmenschen-Voodoo. Aber weit gefehlt: Der Londoner Wirtschaftshistoriker  Richard Wilkinson und die Anthropologin und Ökotrophologin Kate Pickett sind nicht nur von gutem wissenschaftlichen Leumund, sie zeigen es auch.

“Gleichheit ist Glück” zeigt in aufeinander aufbauenden drei Kapiteln, wie Ungleichheit entsteht, wo sie besonders beheimatet ist, was ihre Folgen sind und zu guter Letzt, wie wir sie vermeiden können. Die Autoren begeben sich auf eine Erkenntnissuche, die sie durch zahlreiche Statistiken und Untersuchungen führt. Nie hat man dabei den Eindruck, mit Informationen “überhäuft” zu werden. Jede der Diagramme steht in einem bestimmten Kontext, der ausgiebig erläutert und in die Argumentation eingebaut wird. Durch die schiere Zahl der Diagramme erreichen Wilkinson und Pickett eine hohe Glaubwürdigkeit.

So wird dem Leser mit und mit bewusst, dass die “westlichen Zivilisationskrankheiten”, hohe Gewalt und Verrohung in den unteren Schichten [gerade hier zeigt das Buch seine Aktualität!], Selbstmorde, Herzprobleme und Fettleibigkeit in direktem Bezug zur Verteilung des Vermögens im jeweils beobachteten Land steht. In Ländern wie Dänemark und Japan sind diese Probleme eher gering, während sie in den USA und Singapur vollkommen aus dem Ruder geraten. Kurzum, ein gutes, wichtiges Buch, das virulente Probleme ohne moralisierenden Fingerzeig herausarbeitet: 4/5.

Die Ergebnisse des Buches, sowie weitere Materialien zum Thema lassen sich auf der Webseite des Equality Trusts nachlesen.

Paul M. Sammon – Conan the Phenomenon

Ja, ich gebe es zu, ich bin ein Howard-o-holic, ein Conan-Connaisseur. Für alle, die ein wenig ähnlich wie ich denken, aber auch für jene, die etwas über die Ursprünge des Fantasy-Genres und die Geschichte einer der ältesten und einzigartigsten Fantasy-Charaktere erfahren möchten, ist dieser opulente (Text- und) Bildband Pflicht! Sammon, selbst Conan-Liebhaber seit 40 Jahren, der u.a. an den beiden Filmen mitwirkte, zeichnet Conans Weg von REHs (Robert E. Howards) Schöpfung für Pulp-Magazine wie das Weird Tales, über die gewaltigen Darstellungen Frank Frazettas (s. Cover), den Marvel-Comichelden, dem Leinwandhelden, bis zur Moderne, in der sich mit den bibliophilen Wiederveröffentlichungen von REHs Originalmanuskripten ein Kreis zu schließen scheint.

“Conan the Phenomenon” ist mit 23cm Breite und 30,5cm Höhe bei gut 150 Seiten Hochglanzseiten ein großer und schwerer Brocken und jede einzelne Seite wurde liebevoll mit Skizzen, Fotos, Gemälden, Comiczeichnungen, etc. ausgestaltet. Sammon zeigt auch die Spannungen und Probleme in der Tradierung der Conan-Geschichten auf, so den langen Machtkampf zwischen dem Ultrafan und Puristen Glenn Lord und dem Geschäftsmann und fortführenden Autor Lyon Sprague de Camp um das Verwalten des Howardschen Erbes. Er bemüht sich dabei um Neutralität, zeigt aber doch seine Sympathie für Glenn Lord, wenngleich er Sprague de Camp auch vor dem sicher etwas zu eindimensionalen Vorwurf der Geldmacherei in Schutz nimmt.

Dieses Buch ist eine echte Fundgrube und ist dabei noch unterhaltend und kurzweilig geschrieben. Auch dafür gibt’s eine 4/5.

Ian Christe – Sound of the Beast

Ich habe mich in meinem Musikblog schon reichhaltig dazu geäußert, daher möchte ich nur kurz auf “Sound of the Beast. The Complete Headbanging History of Heavy Metal” eingehen. Christes Verdienst ist es, aus losen Fäden eine Narrative gewoben zu haben, die sich flüssig und einleuchtend liest. Er geht chronologisch vor, von Black Sabbath bis in den eklektischen Metal der frühen 00er. Sein Hauptfokus bildet Amerika im Allgemeinen und Metallica im Speziellen. Am Beispiel von Metallica zeigt er auf, wie wandlungsfähig Heavy Metal ist und warum es immer wieder junge Generationen von Zuhörern für diese Musik gibt.

Einer “Complete History of Heavy Metal” wird das Buch leider nicht ganz gerecht, dazu lässt er doch zu viele Strömungen aus oder beäugt sie nur kurz. Das sollte aber niemanden davon abhalten, diese Metal-Geschichte zu lesen und sich inspirieren zu lassen. Ich persönlich habe einige Bands durch dieses Buch entdeckt und zu schätzen gelernt: Nochmal 4/5.

Das war’s für dieses Mal! Mehr Conan gibt’s dann in der nächsten Auslese. ;-)

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