Mount & Blade: With Fire and Sword

Mount & Blade: With Fire and Sword“Bewegt euch!”, herrscht die Gestalt auf dem Pferd die Pikeniere an, die sich sofort vor den ungeschützten Musketieren postieren, “und ihr, mir nach!”, ruft er danach den Lanzenreitern zu. Mit den Reitern positioniert er sich neben die Musketiere, alle blicken gespannt auf die nächste Hügelkuppe. Plötzlich, eine Reihe Helme, dann Rüstungen, dann Lanzen, dann Pferde – die polnische Kavallerie rückt vor. Hektisch befiehlt der Hauptmann nun, dass die Musketiere, die bereits ihre Musketen gehoben hatten, das Feuer einstellen und abwarten sollen. Langsam und koordiniert bewegen sich die polnischen Husaren vorwärts, ihre gute Panzerung ist berüchtigt und Furcht kommt in der Reihe der Infanterie auf. Dann, als sie in Schussreichweite sind, ruft die Gestalt: “Feuert auf sie, aus allen Rohren!”. Die Musketen geben ihre erste Salve ab – zwei Reiter fallen, drei Pferde werden getroffen. Dann beginnt der Angriff. Wie ein Keil stürmen die Reiter in die Mauer aus Pikenieren und sprengen sie. An Fernkampf ist nicht mehr zu denken, es beginnt ein Hauen und Stechen ums Überleben.

Brandheiße Gefechte

Willkommen zurück bei Mount & Blade! “With Fire and Sword” ist der dritte Ableger der Reihe und, wie man merkt, gerade in punkto Schlachten wird hier nochmal eine ganze Schippe Spannung und Taktik obendrauf gelegt. Liefen die Schlachten im ersten Teil noch nach dem Motto “sammle deine Reiter und hetze sie auf den Feind” ab, so muss man nun geschickt taktieren, um den Gegner zu bezwingen. Das geht dank einem runderneuerten Interface auch viel besser, Kommandos an die vordefinierten (Infanterie, Artillerie und Kavallerie) oder selbstgestalteten Gruppen zu verteilen. Eine einfache, wie oben beschriebene Schlachtaufstellung, ist mit ein wenig Übung via Nummern- und F-Tasten schnell erreicht. Da selbst berittene Reiter die Schlacht nicht mehr allzu sehr in die Breite ziehen, geht die Konfrontation nun auch ein wenig schneller über die Bühne; zumal ob des massiven Schadens, den die Schusswaffen anrichten können.

Von der Memel bis an den Don

Moment mal. Schusswaffen? Richtig gelesen, “With Fire and Sword” verabschiedet sich vom mittelalterlichen Szenario und geht über die frühe Neuzeit. Aber nicht nur das: Statt sich in einem Fantasyreich auszutoben, darf der Spieler nun Hand an das Rad der europäischen Geschichte legen. Selten war ein Szenario dabei so originell. “With Fire and Sword” oder “Ogniem i Mieczem”, wie es im polnischen Original heißt, ist ein Historienroman des polnischen Autors Henryk Sienkiewicz und spielt im östlichen Europa Mitte des 17. Jahrhunderts: Die in der Ukraine beheimateten Don-Kosaken proben den Aufstand gegen die Polen und wissen die zarischen Verbündeten auf ihrer Seite, Krim-Tartaren im Südosten und Schweden im Nordwesten schauen sich das ganze an und hoffen, früher oder später ihren Teil des Kuchens abzubekommen.

Die Ausgangslage mit den rivalisierenden Völkern ist also klassisches “Mount & Blade” und zeigt, wie schön sich das Spielprinzip in historische Szenarien implementieren lässt. Über die Historizität dieses Rahmens kann ich schlecht urteilen, da er nicht in mein Fachgebiet fällt, trotzdem wirkt die Umsetzung, insbesondere mit Hinsicht auf Kleidung und Waffen, fachmännisch und detailgetreu – hilfreich wird hier die filmische Umsetzung des Romans aus dem Jahr 2000 gewesen sein, der seinerzeit auch für die aufwendige Kostümierung ausgezeichnet wurde. “With Fire and Sword” entführt den Spieler in eine fremde Welt und eine fremde Zeit – bis auf das Strategiespiel “Cossacks” erinnere ich mich an keinen Titel, der – vierdimensional gesprochen – in dieser Gegend zu verorten wäre.

Dabei passt das ganze Spielsystem so gut in diese Epoche, weitaus besser als in das mittelalterliche Ambiente der Vorgänger. Marodierende Söldnerhorden waren in der frühen Neuzeit, gerade zu Kriegszeiten, gang und gäbe und die Chance, als Söldnerfürst in respektable Positionen zu kommen, sicher wesentlich höher als im ständegebundenen Mittelalter – man denke nur an Francis Drake und Konsorten. So verläuft der Aufstieg, den man als Spieler erlebt, harmonisch mit den historischen Realitäten des 17. Jahrhunderts.

Mount & Blade: With Fire and Sword Screenshot

Im Osten kaum Neues

Das Aufsteigen, sei es nach Stufen oder nach Rängen, erfolgt wie ehedem: Schare Söldner um dich, kämpfe viel, schließe dich einer Seite an und nehme Burgen und Siedlungen ein. Am Motivationsprinzip hat sich nichts geändert – und da setzt mein erster Kritikpunkt an. Die Quests waren schon im ersten Teil meist banal und überflüssig, auch in “With Fire and Sword” werde ich dazu angehalten, Waren von A nach B zu karren, Rinder von einem Dorf ins andere zu treiben und Steuergelder zu kassieren. Das nervt auf Dauer und es gibt auch keine entsprechende bzw. ansprechende Vergütung für diese Verschwendung kostbarer Spielzeit. Viele Quests sind auch nicht lösbar, wenn man die dazugehörigen Skills nicht hoch genug gesteigert hat. Ich konzentriere mich immer ganz auf meine individuellen Skills und Leader-Skills, da kann ich mit dem Bequatschen-Skill relativ wenig anfangen.

Noch nervender sind aber Quests, die im Rahmen einer Militäroffensive vergeben werden. Anstatt, dass ich mich dem Feldzug einfach anschließen und mitkämpfen kann, werde ich auf nutzlose Spähmissionen geschickt, die keine Relevanz für das Spiel haben (außer, naja, eben die Quest zu erfüllen) und mich im Anschluss verzweifelt nach dem Marschall suchen lassen. Kommt es endlich dazu, dass man an einer Belagerung teilnehmen kann, vergeht eine gefühlte Ewigkeit, bis sich die Herren dazu aufraffen, tatsächlich anzugreifen. Warum? Gut die Hälfte aller Belagerungsunternehmungen werden nach ein paar Tagen einfach abgebrochen; zudem pickt sich der Marschall beständig solche Ziele heraus, die am weitesten entfernt vom heimischen Territorium liegen. Warum? So ergaben sich selbst nach 20-25 Stunden reiner Spielzeit kaum Entwicklungen auf der Karte. Eine Burg wurde erobert, die dann schnell zurückerobert wurde.

Es hilft also nichts, man muss dafür sorgen, selbst Marschall zu werden, Adelige um sich zu scharen und dann geordnet und bestimmt vorzugehen – die KI stagniert auf einem kümmerlichen Niveau, das muss ich leider so konstatieren. Auch andere Ärgernisse sind im dritten Teil der Serie nicht behoben worden: Armeen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten auszustatten, macht Sinn, aber haben die Entwickler mal versucht, einen Gegner verfolgen, wenn der 0,1 unter der eigenen Geschwindigkeit steht? Solche Verfolgungen ziehen sich oft bis zum Ende der Karte hin und ich brauche Ewigkeiten, um wieder zurückzukommen. Zeit ist Geld, gerade in Mount & Blade, in dem Söldnerscharen gutes Geld verlangen und man als Spieler gar nicht anders kann, als andauernd friedliche Dörfer zu plündern. O tempora, o mores!

Die Leiden des Liebhabers – die Freuden des Einsteigers!

Diese Rezension entwickelt sich zu einem Streitgespräch – Szenen einer Ehe, fast.  Ein Außenstehender, der weder mich noch das Spiel kennt, wird sich fragen: Warum spielt er es überhaupt, wenn es ihn so nervt? Es ist gerade für diese besonderen Momente, die ich in der Einleitung beispielhaft wiedergegeben habe. Ich kenne kein Taktikspiel, das mich als Spieler die Kämpfe so unmittelbar und hautnah miterleben lässt – und nicht nur das, darüber hinaus auch aktiv und maßgeblich teilhaben lässt. Wie befriedigend sind diese Augenblicke, in denen der eigene Charaker über das Feld galoppiert und die gegnerische Artillerie mit der Lanze bearbeitet und wenn eine befohlene Salve die erste Reihe des Gegners aus den Socken holt und meine Kavallerie über die Flanke für Unruhe sorgt.

Wer bisher noch keinen der Mount-&-Blade-Teile gespielt hat, dem möchte ich “With Fire and Sword” aufs Wärmste empfehlen: Wer sich noch ein bisschen über das Spielprinzip informieren möchte, kann meine Eindrücke zum ersten Teil zu Rate ziehen. Gerade in punkto Grafik, Gestaltung und Physik hat sich schließlich kaum etwas getan. Von daher kann ich für den Mount-&-Blade-Veteran nur eine bedingte Empfehlung aussprechen; hier ist vor allem ausschlaggebend, ob das Szenario zusagt, was das Gameplay angeht ist schließlich nur die verbesserte Steuerung der eigenen Armee hervorzuheben.

Von einem vierten Teil erwarte ich deshalb wesentlich mehr!  Eine neue Grafikengine soll die Umgebung lebendiger, frischer gestalten, ein neues Quest-System soll endlich motivierende und gewinnbringende Aufträge bereitstellen, die zudem abwechslungsreich gestaltet sind. Diesen, dritten Teil zum Vollpreis zu verkaufen, kann ich nur dadurch gutheißen, dass Goodies, wie der Soundtrack, ein umfangreiches Handbuch und ein Poster beigelegt werden. “With Fire and Sword” ist aus einem Mod für den Vorgänge “Warbands” entstanden. Ein vierter Teil muss aber viel mehr sein, als eine ausgearbeitete Mod – wie auch dieser Teil gezeigt hat, dass es kreative Kräfte unter den Spielern gibt, die es sich anzuzapfen lohnt!

2 Kommentare

  1. Immerhin gibt es ein paar Spezial-Quests z.B. vom König, die interessant sind und auch ordentlich belohnt werden (Gold und Erfahrung), dazu muss man dann fragen “Do you have any special missions for me?” oder etwas in der Art.

    Bei Steam gibt es das Spiel für 15 Eypos, bei Angeboten auch weniger, da kann man also wenig falsch machen.

    Mich nerven die Gegner, die sich in der Wagenburg verschanzen. Da zieht sich dann die Schlacht über ein halbes Dutzend Gefechte hin, weil die ja keine Verstärkung holen können. Da hatte ich schon zweimal am Ende nur noch 5 Gegner übrig, aber musste trotzdem nochmal antreten.

    Hoffen wir mal, das die hiermit vor allem einen richtigen zweiten Teil finanzieren, denn Warband und das hier sind ja eher umfangreiche Addons als richtige Forsetzungen.

  2. Oliver sagt:

    Kann mich im Großen und Ganzen meinen Vorrednern anschließen. Das Spiel sieht aus wie Warband und spielt sich fast wie Warband. Es gibt einige nützliche Verbesserungen wie z.b. das einem endlich die Rinderherden automatisch hinterherlaufen aber das ist eigentlich noch nicht genug, da müsste wie Marucs schon sagt im 4. Teil noch mehr kommen. Alles in allem sind Feuerwaffen ne nette Sache und es ist ein witziges Spiel nicht nur für zwischendurch.

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