Auslese #1

Statt mein Goodreads-Profil zu pflegen, werde ich in unregelmäßigen Abständen hier ein wenig über kürzlich Gelesenes schreiben. Anfangs war ich ein Goodreads-Enthusiast, mittlerweile sind mir die Funktionen einfach nicht ausreichend genug, um damit meine kleine Bibliothek zu managen. Warum gibt es z.B. keine Möglichkeit mehrere Versionen eines Buches zu einer bestimmten ISBN-Nummer anzulegen – das kommt in der Realität ja durchaus öfter vor, bei Neuauflagen mit alternativen Covern und dergleichen. Aus diesem Grund bin ich so begeistert von rateyourmusic.com – für Vollständigkeitsfetischisten ein Genuss. Wenn’s das nun auch für Bücher gäbe… Zurück zur Auslese:

William Irwin (u.a., Hrsg.): Die Simpsons und die Philosophie

Die Simpsons und die Philosophie

Die Simpsons und die Philosophie

Was ein dämlicher Untertitel: “Schlauer werden mit der berühmtesten Fernsehfamilie der Welt”. Warum habe ich das überhaupt gekauft? Achja, ich dachte, dass es vielleicht eine Betrachtung von philosophischen Inhalten in den Simpsons wäre. Ist es aber nicht, das macht das Vorwort gleich klar:

Matt Groening hat zwar Philosophie studiert, aber keiner der Autoren dieses Buches glaubt, es gebe eine tiefere Bedeutung hinter Groenings Cartoon.

Stattdessen befinden sich in diesem Buch eine Anzahl von – mal mehr, mal weniger gelungenen – Aufsätzen, die als Einführung in philosophische Strömungen dienen können. dazu bemühen die Autoren (manchmal) Beispiele aus der Sendung, bleiben dabei aber meist ziemlich vage und austauschbar, sodass der Bezug zur Sendung letztlich nur ein Alibi für diese (Assistenz-[!])Professoren bildet, um hier ein wenig Geld machen zu können. Für eine handvoll gelungener Aufsätze bleibt am Schluss aber noch eine 2/5.

Peter Reichel: Vergangenheitsbewältigung in Deutschland

Vergangenheitsbewältigung in Deutschland

Wie würde Wladimir zu Vitali sinngemäß sagen? “Uff… Schwerer Stoff!” – in diesem Fall aber eher auf die Thematik als auf Reichels nüchtern sachlichen aber stets gut lesbaren Text gemünzt. Reichel durchleuchtet die Vergangenheitsbewältigung in Deutschland und diese, wie aus dem Untertitel hervorgeht in der “Auseinandersetzung mit der NS-Diktatur in Politik und Justiz”. ‘Nuff said!

Andere gesellschaftliche Prozesse lässt Reichel aus – und das ist sicher auch ok so. Wer ein Bild von der Auseinandersetzung mit dem NS im Kopf hat, das sich an den ’68ern ausrichtet, der wird erstaunt sein, wie – ganz im Gegensatz zur populären Rückschau – die politische und juristische Aufarbeitung nicht nur früh einsetzte, sondern mit ihren Mitteln auch konsequent vorging, kulminierend in den Auschwitz-Prozessen Mitte der 60er Jahre (und eben vor 1968!).

Ich habe das Buch zur Vorbereitung für eine Klausur benutzt, würde es aber auch jedem interessierten Laien sofort empfehlen: 4/5.

Troy Denning – Die Gladiatoren von Tyr (Unter der dunklen Sonne #1)

Troy Denning - Die Gladiatoren von Tyr

Die Gladiatoren von Tyr

Pfui! Warum muss Fantasy-Literatur so schlecht geschrieben sein? Die AD&D-Spielwelt “Dark Sun” hat mit Tolkien ausnahmsweise wenig zu tun, eher mit dem apokalyptischen Cyberpunk der 80er. Und was macht Troy Denning mit all den interessanten Ansätzen: Erstmal entwirft er eine ganz interessante Geschichte mit ungewöhnlichen Charakteren, die sich um Moral wenig zu scheren scheinen. Klingt nett – wenn’s nicht so grottenschlecht geschrieben wäre. Ich gebe mal ein Beispiel:

Der Hochtempler beobachtete die Qualen seiner Rivalin mit seltsamer Faszination. Sicher, er war froh, sie loszuwerden, aber ihr plötzliches Hinscheiden war eine ernüchternde Erinnerung daran, welchen Preis die Hochtempler manchmal für ihre Machtpositionen zahlen mußten.

Es ist richtig, dass die Strukturen dieser fremden Gesellschaft in irgendeiner Form der Erläuterung bedürfen, aber Denning erzählt diese Eigenheiten erst bildlich und liefert dann prompt aufgeplusterte Reflexionen seiner Charaktere zu dem gerade geschehenen. Es mag eine Horde von Menschen da draußen geben, die sich keine Gedanken über die Geschichten, die sie lesen machen möchten und lieber jedes Detail vom Autor selbst interpretiert haben wollen. Aber diese Diktatur des geschriebenen Wortes, die mich als mündigen Leser verspotten möchte, kann ich kaum ein paar Seiten aushalten. Dazu kommen die üblichen Schundroman-Floskeln. Charaktere “grinsen vielsagend” und so weiter.

Ich weiß, ich sollte mich nicht darüber aufregen. Ich denke nur, dass das Fantasy-Genre nicht mit diesem Müll zugekleistert werden sollte, das Klischees und Vorurteile in Kinderarzt- und Heimat-Romane, wg. mir auch in Lassiter-Heftchen gehören – aber bitte doch nicht in fantastische Welten, die die Fantasie des Lesers beflügeln und eben nicht einengen sollen. Der Krempel hier verdient jedenfalls die Bezeichnung pulp fiction: 1/5.

Patrice Louinet (Hrsg.) – Robert E. Howard: The Conquering Sword of Conan

The Conquering Sword of Conan

The Conquering Sword of Conan

Um dem doch einen versöhnlichen Abschluss entgegenzuhalten, hier nochmal einen Hinweis auf die fantastischen Erzählungen von Robert E. Howard. “The Conquering Sword of Conan” ist der dritte Teil einer herausgeberischen Meisterleistung: Alle Conan-Geschichten wurden im ungekürzten und unbearbeiteten (lediglich einige aufgeführte Rechtschreibfehler wurden korrigiert) Originalzustand abgedruckt und durch stimmungsvolle Illustrationen erweitert.

Dazu gibt’s noch Drafts, Karten und einen auf alle drei Bände aufgeteilten Aufsatz über die Entstehung von Howards Welt “Hyperborea”. Ein richtig bibliophiles Vergnügen und wenn man die chronologisch sortierten Geschichte gelesen hat, dann weiß man auch, warum es die Mühe wert gewesen ist! Howard ist ein großartiger Schreiber gewesen, mit einer Gabe, spannend und auf den Punkt zu schreiben, ohne dabei platt zu wirken und sich in immer gleichen Klischees zu wälzen.

Die beste Geschichte ist für mich “Red Nails”. Hier holt Howard alles aus seiner Erfahrung mit dem Charakter Conan heraus und erschafft ein surreales, beklemmendes Ambiente, das sich, obwohl es seinerzeit für einen Mehrteiler im Weird-Tales-Magazin konzipiert worden war, wie ein Ganzes liest. Meine unbedingte Empfehlung: Lest Conan, lest Robert E. Howard! 5/5.

Und zum Schluss: Senfmuffin

Eine weitere Leseempfehlung, allerdings online: Meine Schwester bloggt seit Anfang des Jahres auf senfmuffin.de – und das so liebenswert illustriert. Schaut mal vorbei!

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