Tatort: Operation Hiob

Nach langer WM-Pause war gestern um 20:15 endlich wieder Tatort-Zeit in der ARD. Da ein Wiener Tatort auf dem Programm war, war ich frohen Mutes und voller Vorfreude, schließlich bin ich vom ORF bislang noch nicht enttäuscht worden. Und auch “Operation Hiob” war, trotz einiger Ungereimtheiten, ein spannender und unterhaltsamer Fall. Harald Krassnitzer als Hauptkommissar Moritz Eisner ist einer der charismatischsten und überzeugendsten Tatort-Ermittler und auch sein Sidekick Inspektor Bernhard Weiler (gespielt von Heribert Sasse) gefiel mir als grummelnder Bald-Pensionär recht gut.
Was habe ich unter “einige Ungereimtheiten” verbucht? Der eigentliche Mord an den Drogenkurieren (oder Sicherheitsleuten oder… was auch immer) geriet viel zu schnell in den Hintergrund und die gut dargestellte Ermittlungsarbeit Eisners und Weilers diente letztlich nur als Lückenfüller für die Hauptstory um den V-Mann Niko (oder Ninko?) und dessen Operation, die auch eponym für den Titel des Tators war. Hiob selbst war aber freilich Eisner: Unfreiwillig wurde er plötzlich Teil dieses Einsatzkommandos und musste dann auch noch mit seinem Privatleben für die Sicherheit des Ablaufs sorgen.
Und da ist die zweite, größere Ungereimtheit: Mir ist es als Zuschauer nicht ganz klar geworden, warum Dr. Ziu (was ein Name…) solch ein Interesse an Eisners Privatleben hat. Damit er ihn im Notfall erpressen kann? Damit er einen neuen Kunden gewinnen kann? Schließlich schien es so, als würde Eisners Tochter dem V-Mann zugespielt werden, damit dieser eine glaubwürdige Quelle für sein Polizeiwissen bei seinem Chef vorweisen konnte. Aber: Wieso? Das hätte man doch wesentlich einfacher lösen können; letztlich ist dieser Versuch ja aufgeflogen.
Der Tatort hätte gut daran getan, diesen Subplot, der sich ja empfindlich auf den großen Handlungsstrang ausgewirkt hat, ein wenig besser zu erklären. So blieben die ganzen Fragen in meinem Hinterkopf, während die saubere Dynamik des Geschehens über die Bühne fegte. Schlussendlich gab es auch keine Erklärung für das lange Fortbleiben von Tochter Claudia – am Ende war sie einfach wieder da. Prima. Aber sonst war ich ganz zufrieden, was vielleicht auch an der Durststrecke lag, die ich WM-bedingt überwinden musste. Aber das scheint ja wohl erstmal die letzte Großveranstaltung in diesem Jahr gewesen zu sein.