Stipendien statt Studiengebühren? Nein!

Ich muss einiges vorweg klarstellen, das haben mir erste Ansätze, über dieses Thema vernünftig zu diskutieren, gezeigt. Ich bin, zunächst, Student. Ich habe bislang für jedes meiner sechs Semester an der Uni Studiengebühren entrichtet. Ich beziehe darüber hinaus Bafög und arbeite zur weiteren Finanzierung des Studiums noch nebenher. Soviel meine ich Auskunft über mich geben zu müssen, bevor ich folgende Aussage tätige: Die Studiengebühren gehören beibehalten und die in der Planung befindlichen staatlichen Stipendien von der Liste gestrichen!

Wie kann ich es wagen, diese Forderungen zu stellen? Erst einmal: Die Studiengebühren sind, wenn man sich die Uni-Haushalte ansieht, notwendig. Deutsche Universitäten müssen dem internationalen Vergleich standhalten, damit wir Deutschland als Studien- und Forschungsort konkurrenzfähig halten können. Dass der Staat, bzw. die Länder  dazu aufgerufen sind, ihren Teil zu diesem Ziel beizutragen, versteht sich von selbst, dass aber auch die Studenten für ihre Ausbildung einen Teil der Last schultern sollen, das scheint vielen hierzulande – und im Ausland ist das eine Selbstverständlichkeit -  nicht klar zu sein.

Es braucht auch niemand von einer guten alten kostenlosen Zeit zu sprechen, in der noch jeder, der es wollte, sozialverträglich studieren konnte. Und auch von dem Selektionsgedanken: hier wolle man die arme Spreu vom reichen Weizen trennen bitte ich abzusehen. Das ist ein Denken in politischen Kampfbegriffen, es entstammt nicht der Wirklichkeit. Stattdessen bin ich mir sehr sicher, dass heute an den Universitäten mehr “Arbeiterkinder” studieren, als dies vor 20 Jahren der Fall war. Wenn wir überhaupt von Selektion sprechen können, dann findet sie weit früher, an der Schwelle zur Sekundarstufe I statt – aber dies ist eine andere Debatte.

Und weil heute weitaus mehr junge Menschen das Abitur erlangen und daraus wiederum die Anzahl der Studienplätze vergrößert werden muss, mehr Lehrmittel bereitgestellt werden müssen, die Infrastruktur an den Universitäten – gerade mit Hinblick auf die gewachsene Bedeutung des Internets – verbessert werden muss – gerade deshalb brauchen wir Studiengebühren. Ich persönlich habe von allem genannten profitiert. Dass zuweilen die Gelder nicht ordentlich verteilt werden, liegt an den Instituten, den Fachschaften oder wie auch immer: Es ist zumindest kein Makel der Studiengebühren.

Ich wehre mich entschieden gegen den Vorwurf, die Studiengebühren würden ärmere Schichten vom Studium ausgrenzen und ich weiß als Selbstversorger sehr wohl, wovon ich spreche. Ich persönlich habe mich zur Finanzierung der Studiengebühren für einen Kredit entschieden, der mir von der Landesbank gewährt wird und den ich, in Anbetracht der Höhe des Bafögs, das ich bekomme, wahrscheinlich auch nicht zurückbezahlen muss. Und selbst wenn: Ein Bachelor in Regelzeit kostet hier in NRW 3000 Euro an Studiengebühren – weniger, als ein gebrauchter Kleinwagen. Wesentlich deutlicher schlagen da die Bafög-Sätze zu Buche, doch auch die halten sich – international gesehen – in einem verträglichen Rahmen und können in nahezu beliebiger Art und Weise zurückerstattet werden.

Nun gibt es diejenigen, die trotz einer monetär begrenzt gesegneten Herkunft (oder weil die Eltern eine finanzielle Unterstützung versagen) einen relativ geringen Bafög-Satz bekommen und sehen müssen, wie sie ihr Studium finanzieren. Aber auch hier gibt es Möglichkeiten: Stiftungen, Nebenjobs, Wohngeld, Mitarbeit im Studentenparlament oder in den Fachschaften – es gibt so viele Mittel und Wege, sich das Studium zu finanzieren und ich kenne genug Studenten, die dies schaffen.

Jetzt werden wieder einige denken: “Aber sollte das Studium nicht dazu da sein, um sich voll und ganz darauf konzentrieren zu können”. Pardon: Nein! Wen würde ein Personal-Chef eher einstellen: Den gesponserten Fachmann, der sein Studium in Rekordzeit mit Rekordnoten abgeschlossen hat oder den Selbstfinanzierer, der sein Studium zwar um zwei Semester verlängern musste, aber dafür viel praktische Erfahrung in seinen Nebenjobs sammeln konnte. Ich möchte hier keine Utopie beschwören, denn ich habe es selbst auf Vorträgen von Studienabsolventen gehört: Fachidioten werden immer unbeliebter – Charakterköpfe sind gefragt.

Die Abschaffung von Studiengebühren und an ihrer statt ein ausgedehntes Stipendienprogramm zu fordern, ist der falsche Weg, um Studenten für ihre Fächer zu begeistern. Die, die wirklich mit Herzblut dabei sind, werden immer einen Weg finden, die, die das Studium als Beschäftigungsprogramm vor der Arbeitslosigkeit ansehen (und auch solche habe ich erlebt), sollte man eher abschrecken, anstatt ihren Pessimismus zu fördern.

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