Zeit zum Pokern
Kann man einen Hype noch als solchen bezeichnen, wenn er seine Langzeitwirkung bewiesen hat? Ich war wirklich skeptisch als die Pokerwelle nach Deutschland kam, plötzlich auf jeder Party einer von diesen silbernen Koffern zu sehen war und im Fernsehen Werbung für diverse Online-Poker-Portale auftauchte. Doch aus dem Hype ist ein fester Bestandteil der deutschen Spielkultur geworden, dem auch ich mich nicht erwehrt habe.
Der Erfolg fußt dabei sicher auf der leichten Erlernbarkeit der zumeist gespielten Variante “No-Limit Texas Hold’em“: Zwei eigene Karten mit drei weiteren aus der Mitte zu maximal 10 Kombinationen zu verbinden, das verlangt dem Einsteiger nicht viel Denkarbeit ab und offenbart in der Strategie doch solch eine taktische Tiefe, dass auch Profis immer wieder dazulernen können.
Daneben denke ich, dass das Pokern die charismatische Seite des American Dream: “From rags to riches” auf perfekte Weise verkörpert und so ein optimistisches Lebensgefühl transportiert, dass dadurch so attraktiv – gerade auf die Grübelnation Deutschland – wirkt, weil hier Sorgen um die Zukunft und das Hadern mit der Vergangenheit vollkommen fehl am Platz sind. Beim Pokern zählt nur das Hier und Jetzt, immer nur die aktuelle Hand.
Ich habe vor ca. 3 Jahren angefangen, ernsthafter Poker zu spielen. Zuvor hatte ich an ein paar Spielrunden im Freundeskreis teilgenommen, die aber, da wir alle nur Anfänger waren, meist unbefriedigend abgelaufen waren. Ich wollte wissen, wie man gewinnt! Dann fing ich an, Pokersendungen im Fernsehen zu verfolgen und meldete mich schließlich bei FullTiltPoker, auf einer amerikanischen Onlineplattform, an (auf pokerzeit.com gibt es eine Übersicht mit Bewertungen weiterer Plattformen aus der Welt des Online Poker).

Es ging dann auch gleich gut los. Mit einer aggressiven Taktik, spektakulären Bluffs und jeder Menge Risiko erspielte ich in kürzester Zeit aus den 1000$ Startgeld – natürlich nur Spielgeld, bislang habe ich nicht den Wunsch verspürt, um richtiges Geld zu spielen – mehrere hunderttausend. Allerdings, nach einer Weile wirkte diese Haudrauftaktik nicht mehr und so erfuhr ich das, was kommerzielle Pokerspieler nur allzu gut kennen: Ich war plötzlich pleite. Trotzdem ich nur mit Spielgeld operiert hatte, wurmte mich das. Offensichtlich war ich nicht gut genug.
Wieder hatte mich der Ehrgeiz gepackt, ich wollte besser werden, überlegter, überlegener. Ich kaufte mir Doyle Brunsons Standardwerk für Poker-Strategie “Super System 2″ (Link s.o.) und studierte die Profis im Fernsehen. Viel wichtiger war für mich aber letztlich, dass ich meine Schwächen – Aufgeregtheit, Jähzorn, Unkonzentriertheit – nach und nach besser unter Kontrolle kriegte. Man könnte sogar sagen, dass ich so spielerisch auch fürs Leben gelernt habe.
Mittlerweile spiele ich fast ausschließlich Sit&Go-Turniere (also KO-Turniere mit maximal 9 Spielern, bei denen nur die ersten 2 oder 3 Plätze Play-Chips erhalten) und das recht erfolgreich – zumindest hab ich mich an die höchsten Buy-Ins herangetastet. Je höher das Buy-In, desto besser die Gegenspieler und desto höher die Herausforderung. Diese Mischung aus Taktik und Nervenkitzel macht für mich den Spaß am Pokerspielen aus und wenn ihr noch nicht angefixt seid, könnt ihr euch hier an Gegnern aus dem Computer probieren (das Spiel ist ob der Blogbreite herunterskaliert, hier kann man es in größerer Breite spielen):

Ich überlege noch, ob ich in nächster Zeit hin und wieder ein paar How-Tos für Sit&Go-Turniere hier einstreue – Spaß hätte ich auf jeden Fall daran. Dem aufmerksamen Leser wird die tendenziöse Art, hier eine gewisse Pokerseite in Szene zu setzen nicht entgangen sein und ich gebe auch gern zu, hier einmal, nachdem ich das Angebot erhalten habe, auf kommerzieller Basis zu arbeiten.
Hehe.. mich hat vor knapp einer Woche eine Dame eben von dieser Seite angeschrieben und ich hatte eine längere Diskussion mit ihr bezüglich Paid Content. Sie hat mir sogar als Alternative vorgeschlagen, dass ich eine Kritik zu einem Flashgame von denen schreibe, was ich auch abgelehnt habe. (hab das aber mal durchgespielt ^^)
Ich fand’s lohnenswert, einfach um der Erfahrung wegen – und mich interessiert die Thematik ja schließlich auch. Offenbar scheinen unsere Blogs bei Suchmaschinen einen guten Eindruck hinterlassen zu haben, sonst wären ja nicht aus dem Nichts diese Anfragen gekommen.