Tatort: Heimwärts

Tatort (c) ARD.de

Dass ich einmal – und dann so früh – dazu komme, den Leipziger Tatort zu loben, das hätte ich mir vor geraumer Zeit sicherlich nicht vorstellen können. Hatte der letzte Tatort von Saalfeld und Keppler: “Absturz” von mir noch das Prädikat “so lala” bekommen, so gehe ich nun einen Schritt weiter und sage: Willkommen, liebe Leipziger, in der annehmbaren Fernsehunterhaltung!

Wobei, das gilt sicher nicht für alle Beteiligten. Hiermit meine ich besonders Frau Saalfeld. Ich hatte meine Bedenken seinerzeit schon hinreichend geäußert und möchte deshalb hier nur kurz darauf zu sprechen kommen: Thomalla ist entweder keine Schauspielerin oder ihre Rolle gehört unecht, hölzern und fade gespielt. Die Saalfeld ist und bleibt jedenfalls ein Graus. Umso erfreulicher, dass sich “Heimwärts” mehr um ihren Kollegen kümmerte, den wunderbaren Keppler (Vornamen sind im Leipziger Tatort irrelevant), gespielt (ja, mit Schauspielerei) von Martin Wuttke.

War Keppler in den letzten Sendungen ein grober Zynischer und Misanthrop, darf er in “Heimwärts” eine Wandlung vollziehen und seine menschlichen Gefühle entdecken – die verleiten ihn sogar dazu, eine Quasi-Freundschaft mit einem alten Knacker einzugehen und nachts bei ihm vorbeizuschauen, wenn er Monster unterm Bett sieht. Rührend! Es geschieht recht selten, dass Tatort-Kommissaren eine Form von Entwicklung gegönnt wird und umso mehr goutiere ich diesen Schachzug der Drehbuchautoren.

Dabei wollte uns dieser Tatort doch eigentlich gar nicht so wirklich ins Ermittlermilieu schicken, sondern Begleiterscheinungen des demographischen Wandels skizzieren und eine Familie präsentieren, die hin und hergerissen ist, zwischen ihrer Verantwortung und ihrer Tradition, die es sich nicht leisten kann, den Großvater pflegen zu lassen und die an der Mehrfachbelastung zugrunde geht.

Störend fiel mir in diesem ansonsten gut dargestellten Porträt nur das Umfeld der Familie auf. Dieser Breuker von BreuCare (Witz, komm raus) oder die erste Tote Anna – warum sind die so böse gewesen? Ich meine, die handelten ganz offensichtlich nicht nur moralisch falsch sondern hatten auch einen mordsmäßigen Spaß daran – oder wieso wurden beide so beschrieben, dass sie auch noch lachten, als die Familie ihnen gegenüber ihr Leid klagte. Ein weiterer Störfaktor war der geistig, sagen wir, angeschlagene Totengräber, pardon, Bestattungsunternehmer Daniel, der ein vollkommen irritierender und für den Fortgang der Handlung im Prinzip belangloser Charakter.

Der Tatort tat gut daran, weg von Saalfeld und dem Leichenbestatter zu gehen und sich Keppler und der Familie Holst zuzuwenden. Das machte aus einem vielleicht nicht sonderlich spannendem Tatort ein annehmbares Melodrama zu einem Sujet, das viele betrifft und mal wieder zum Nachdenken anregte. Und wer macht sich keine Gedanken über das Leben im Alter, sei es über sich selbst oder über Freunde und Familie? Mehr Keppler, weniger Saalfeld, das ist die Glücksformel für den Leipziger Tatort!

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