Tatort: Schlafende Hunde

Lohnt sich ein Tatort, in dem der Täter fast von vornherein feststeht? Der neue Bremer Fall war ein Themen-Tatort: Es ging um ehemalige Stasi-Offiziere und deren Machenschaften in der Bundesrepublik. Wurde anfänglich gar eine Weltverschwörung der Ex-DDRler angedeutet, so lief es schlussendlich doch nur auf zwei Chefs einer Überwachungsfirma hinaus – das war schwierig in Einklang mit den bond’schen Motiven zu Beginn des Tatortes zu bringen. So galt es ab der Hälfte auf die unausweichliche Lösung zu erwarten, Überraschungen ergaben sich nur noch in den Seitensträngen der Handlung, aber auch diese waren vorhersehbar.
Nach dem Tatort gab’s einen Chat (ui, ein Chat…), in den ich, (selbstverständlich) aus Recherchezwecke, mal kurz hineingeschaut habe. Lustigerweise spielten die meisten Fragen auf die Ermordung des Hundes an, welcher zu Anfang des letzten Drittels in einer Lache von grünem Glibber gefunden wird und offensichtlich Opfer eines Giftanschlages wurde… Das ist doch bescheuert. Warum musste der Hund sterben? Wusste er zu viel? Hatte er einen Plan? Nein, die in allen Belangen sinnlose Szene sollte nur symbolisieren, wie böse diese Stasileute sind. Sie töten nicht nur ihre Feinde – natürlich da, wo die eigenen Kameras es in Szene setzen – sie machen auch vor deren Haustieren nicht Halt. Was ein Pack!
Und diese Plotlücke war nur eine von vielen. Wie kommt die SMS auf Lürsens Handy? Womit wird Rodenburg erpresst (- man kann es sich denken, aber warum zeigt man es nicht)? Warum spricht Lürsen “Rodenburg” wie “Hodenburg” aus? Der Teufel steckt doch im Detail und da war man hier sehr unachtsam. Aber auch im großen Ganzen wollte der Tatort nicht richtig Fahrt aufnehmen. Dazu waren die Täter viel zu eindimensional böse und ihre Motivation, abgesehen davon, dass sie böse sein wollten, konnte ich auch schwer nachvollziehen. Nachdem es im letzten Jahr einen erstklassigen Brember Tatort mit “Schiffe versenken” gab, wähnen sich die Norddeutschen 2010 in seichteren Gewässern.