Randnotiz: Rechtsstaaten und Todesstrafen

Man hört zwischendurch immer wieder einmal von Diskussionen über die Todesstrafe. Dann fällt den meisten auf, dass sie ethisch nicht ganz sauber, aber vielerorts nach wie vor trotz Ächtung seitens der U.N. praktiziert wird. Es wird auch hierzulande nicht wenige Leute geben, die sie sich insgeheim zurückwünschten, z.B., wenn es um Sexualstraftäter auf freiem Fuß geht.

Ich denke, dass sich die Todesstrafe auf der einen und die Rechtsstaatlichkeit auf der anderen Seite einfach nicht verbinden lassen. “Auge um Auge” und ähnliche Praktiken der Blutrache sind vorstaatliche Phänomene, die schon in der Antike durch die allerersten Gesetzestexte unterbunden wurden. Die Todesstrafe dagegen gibt die Verantwortung für die Blutrache an denjenigen ab, der die Spritze setzt, den Schalter oder die Schlinge umlegt. Ich bin kein Jurist, aber dies erscheint mir paradox. Mal ganz abgesehen von der amoralischen Natur dieser Strafe.

1 Kommentar

  1. schim sagt:

    Ein Zitat von Ernest Hemingway lautet: “Never think that war, no matter how necessary, nor how justified, is not a crime.”
    Ebenso könnte man hier “war” durch “capital punishment” ersetzen. Eine Gesellschaft, die das Töten von Menschen als Strafe zulässt, begibt sich immer in ein moralisches Dilemma. Besonders heikel ist hierbei die Lage der “Schreibtischtäter”, die mit einem Federstrich über Leben und Tod entscheiden können. Wo ist hier der Unterschied zum Auftragsmord, wenn anschließend willige Staatsdiener die “Drecksarbeit” erledigen?

    Äußerst schwierig wird es bei den von dir erwähnten Sexualstraftätern, denn man begibt sich sehr schnell auf dünnes Eis, wenn man auch deren Grundrechte geachtet sehen möchte. Ich denke, es ist niemandem geholfen, wenn solche Menschen von der Gesellschaft gehetzt und von der Politik für Repressionszwecke instrumentalisiert werden. Sie wurden mit einem verheerenden Trieb geboren und nicht wenige würden alles für ein “normales” Leben geben.
    Ganz ehrlich, mir fällt hier auch keine passende Reaktion ein, außer vielleicht die Schaffung einer Art Exil, in das sich betroffene Menschen frühzeitig und freiwillig begeben können. Das würde allerdings voraussetzen, dass nötiges Verantwortungsbewusstsein vorhanden ist.

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